Übersichtskarte

Muschel-, Hummer- und Waltage

Donnerstag, 11.08.2011

Mittlerweile habe ich mich hier gut eingelebt in dem Doerfchen Digby. Es ist ein wahres Dorf, das man in weniger als 10 Minuten von Anfang bis Ende abgelaufen hat. Und doch hat Digby einen Weltruf zu verteidigen, denn es beherbergt die groesste Scallop Flotte der Welt und traegt daher stolz den Titel “Capital of Scallops”. Neben den schmackhaften Jakobsmuscheln, wird hier noch jede Menge anderes Meeresgetier gefischt, denn es befinden sich einige Hummerjagdgruende rund um die Digby Bucht. Aus diesem Grund fuehrt es jaehrlich eine betraechtliche Anzahl an Touristen in diese Gegend. Tagsueber jagen sie auf motorisierten Schlauchbooten durch die Bucht in der Hoffnung Wale bei der Futtersuche aufzustoebern. und abends gehen Sie selbst auf Jagd nach Meerestieren in den umliegenden Hafenrestaurants. Auch ich habe mich in einen orangefarbenen Raumanzug stecken lassen, um die Riesen in freier Wildbahn zu beobachten. Claude und Saskia haben mir vorher fantastische Videos von Durchreisenden gezeigt, in denen die Wale stolz ihre Flossen recken und zum Greifen nah die bunten Schlauchbootzwerge nassspritzen. Die Erwartungen waren also geweckt und wurden natuerlich prompt enttaeuscht. “Unser” Wal hatte keine Lust auf Spielchen. Laut Bootskapitaen war der Huntbackwhale grad bei der Nahrungsaufnahme und liess sich von uns nur ungern stoeren. Also ist er nach drei Luftschnappern schnell wieder abgetaucht. Nachvollziehbar, denn ich haette auch keinen Bock wahrend meines Mittagessens von einem tosenden Plastikboot und einer aufdringlichen Paparazzimeute verfolgt zu werden. Na, ja, zumindest weiss ich jetzt mit ziemlicher Sicherheit, dass diese Tiere wirklich existieren.

Whalewatchinghuntback whaleDigby LighthouseDigby FischerwarfHigh tideLow Tide

Vor ein paar Tagen war hier ein bisschen mehr los als sonst. Einmal im Jahr putzt sich Digby raus und feiert 4 Tage lang zu Ehren der Jakobsmuschel. Und wie es sich fuer ein nordamerikanisches Fest gehoert, gibt es eine Parade, eine Autoschau, Pieeating und Scallop Shocking Contests, eine Scallop-Queen, Burger und Hotdogs. Alkohol wurede die Veranstaltung wahrscheinlich ertraeglicher machen, aber man darf das teufliche Feuerwasser nicht auf offener Strasse konsumieren. Nichtsdestotrotz habe ich ein paar Impressionen fuer euch eingefangen.

Tage der JakobsmuschelScallop Shucking ContestClaude, Hotdog and Kraut

Ansonsten sind die Tage hier ruhig und in letzter Zeit oft regnerisch. Gestern abend haben wir unser kleines privates Hummerfest gefeiert. Robbie hat ein paar Pfundskerle aufgetrieben. Ich hab mich allerdings davor gehuetet die noch lebenden Riesenkrebse in die Hand zu nehmen, denn die haben genau gewusst was los ist und nach uns geschnappt. Es hat ihnen aber nichts genuetzt, sie sind trotzdem im Kochtopf und schliesslich in unseren Maegen gelandet.

 

Das Fenster zum Hafen

Mittwoch, 03.08.2011

Das Fischerdorf Digby ist nun also mein neues Zuhause und ich fuehle mich hier sehr wohl. So ergeht es fast jedem Reisenden, der hier Rast macht. Es ist das Zuhause von Saskia und Claude, das die beiden zu einer Begegnungsstaette von Travelern aus aller Welt gemacht haben. Die geraeumige Kueche ist der allgemeine Treffpunkt, an deren Esstisch sich die Besucher begegenen und austauschen. Ich betrachte es als ein Privileg hier arbeiten und wohnen zu duerfen. Auch wenn ich mein Gemach hin und wieder mit schnarchenden Fremden teile, beneiden mich Durchreisende oft genug um meine momentane Situation. Die Augen der Leute beginnen zu leuchten, wenn ich von meiner Auszeit berichte, denn viele hasten von Ort zu Ort, um in zu kurzer Zeit moeglichst viele Eindruecke einzufangen. Und so verlassen die meisten diesen Ort in Wehmut, weil der Aufenthalt im Prinzip ihnen nur ein paar Fotomotive hinterlaesst und das Gefuehl zu kurz kommt.

Vom Fenster im Obergeschoss hat man einen wunderbaren Blick ueber die Daecher Digbys auf die Bucht und seinen Fischereihafen mit der bunten Scallop Flotte. Jedesmal wenn ich an dem Fenster vorbeigehe, fasziniert  mich der Anblick des Himmels, welcher stuendlich  Farbe und Schattierung aendert. Abends setze ich mich manchmal auf einen Steg und beobachte die Gezeiten, die auch hier die Bucht beherrschen und die Boote taeglich auf Grund auflaufen lassen. Nicht nur ich habe im Backpackers Inn ein Refugium gefunden, sondern auch Robbie, ein australischer Mathelehrer, der rechtzeitig vor dem Burnout die Flucht ergriffen hat. Seine Zeit im Niemandsland des Lebens begann vor fast einem Jahr und er wird so lange weiter wandern, bis seine Mittel dem Spuk ein Ende setzen. Bis hinein in den Indian Summer wird er sich hier um Garten, Brennholz und Reparaturen kuemmern und dann weiterziehen. Ich muss zugeben, dass ich ihn um diese fast grenzenlose Freiheit beneide und ich das Ende meiner Auszeit manchmal wie ein Damoklesschwert empfinde. Doch Robbie hat aller Sicherheit abgeschworen und keine Habseligkeiten in Perth, seiner Heimatstadt, zurueckgelassen. Ich war und bin vielleicht nicht bereit meine Zelte abzubrechen, denn ich fuehle mich nach wie vor in Muenchen heimisch. Meine Suche ist nicht geografischer Natur und sie ist moeglicherweise endlos.

Zurueck zu meinem Leben hier: jedenfalls  begegne ich im Hostel unterschiedlichsten Persoenlichkeiten aus vieler Herren Laender, wobei die Deutschen zahlmaessig mit den Nordamerikanern die Stange halten. Und letztlich ist es egal wo die Leute herkommen, die Einen sind sympathisch und Andere weniger. Und so hatte ich einige interessante Unterhaltungen mit einem amerikanischen Paar tief-demokratischer Gesinnung, die so etwas wie eine Volkshochschule in Atlanta leiten und mir anboten einen bayerischen Kochkurs anzuleiten. Und dann war da Adam, ein Mann aus kanadischem Holz geschnitzt, der mit seinen jugendlichen 23 Jahren in den Waeldern der noerdlichen Territorien am Tag im Schnitt 2500 Christbaeumchen pflanzt. Ein Knochenjob unter Extrembedingungen. Ein wirklich huebscher Junge mit wachen blauen Augen und Vollbart, der uns am Lagerfeuer Geschichten aus seinem Leben lallte waehrend er eine ganze Flasche Rum leerte. Er kam mir vor wie eine Figur aus einer anderen Era, ein Lumberjack der den Ladies schoene Augen macht und Pin-up Girls an seinen Spiegel klebt.

So viel fuer Heute, das naechste Mal  wieder Fotos… Und fuer den den es interessiert der Link zur Digby Webcam:

www.camscape.com/North%20America/Canada/Nova%20Scotia/Digby-Harbour-Live-30468.php

Die Buddhistenfarm

Mittwoch, 27.07.2011

Sodala, hier bin ich wieder... Seit meinem letzten Eintrag ist eine ganze Weile vergangen und es hat sich so Einiges getan. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass meine Restenergie am Ende des Tages nur noch fuer die Nahrungsaufnahme, Koerperpflege und einen taeglichen E-Mail-Check ausgereicht hat.

Ich habe schliesslich nach 3 Wochen Farmleben den Arbeitsplatz und Wohnort gewechselt und nun auch wieder etwas mehr Zeit. Seit Sonntag residiere ich wieder in Digby und habe bei Saskia und Claude, den Besitzern des Digby Backpacker Inns angeheuert. Die Gruende die mich zu dieser Entscheidung bewegt haben sind vielfaeltig. Nicht die Farmarbeit an sich, sondern mehr die Stimmung auf dem Bauernhof haben mich dazu bewogen meinen Aufenthalt dort abzukuerzen.  

Meine neue Heimat

Aber ich will euch einen Einblick in die Farm natuerlich nicht vorenthalten: Das Landwirtschaftskonzept war bzw. ist biologisch, manchmal schien das Ganze jedoch etwas unfreiwillig und verplant. Hier ist jedenfalls alles Handarbeit und wenn ich Handarbeit sage, dann meine ich HANDARBEIT. Im Klartext : es wird von Hand gepluegt!, gesaet, geplfanzt, gejaetet und geerentet. Der Pflug sowie die Waage verweisen auf eine andere Zeit, in der Technologie ein Fremdwort und die Feldfrucht noch mit Bleigewichten abgewogen wurde. Von den Einheimischen wird der Hof schlicht "buddistfarm" genannt, denn seine Besitzer bezeichnen sich selbst als Buddhisten und sind bei irgendeinem Meister in die Leere gegangen. Ich bin der Meinung, dass die beiden die Lehre nicht ganz verstanden haben, denn von der buddhistischen Gelassenheit ist es weit her. Der Hausherr verbreitet gern mal schlechte Laune und die Dame des Hauses sieht nicht nur so aus wie die Hexe aus Grimms Maerchen. Die buddhistische Praxis beschraenkt sich auf eine asiatisch anmutende Verbeugung vor jeder Mahlzeit und ein paar abgeriffenen Buechern in staubigen Regalen. Die Besitzer wirkten auf mich eher wie zwei desillusionierte Althippies, die an etwas festhalten, dass ihnen scheinbar keine Freude mehr bereitet. Aber ist  Buddhismus nicht genau das: Loslassen? Auch wenn die Gespraeche mit dem kiffenden Farmpatriarchen hin und wieder einen gewissen Unterhaltungswert haben, hatte ich doch immer wieder den Eindruck, dass seine Taschenbuchphilosophie ihn zu nicht viel mehr als einem pessimistischen Weltbild gefuehrt hat. Seine Vortraege folgerten immer wieder zu dem Punkt, dass mit dieser Farm kein Staat zu machen ist, das Ganze im Grunde nur eine Vorbereitung fuer den Ernstfall sei, wenn schliesslich die technologische Welt wie wir sie kennen den Bach runtergeht. Jedenfalls wirkten die beiden auf mich alles Andere als gluecklich. Und so hoffe ich, dass dieser Ort bald neuen frischen Wind bekommt und die beiden Alten den Hof  endlich an die naechste Generation abtreten. Denn hier steckt definitiv  Potential fuer eine wunderbare Institution, wo junge Leute sich ausprobieren und gemeinsam biologischen Anbau in Reinform praktizieren koennen. Die meisten Helfer fuehrte die Suche nach einem gesuenderen Leben hierher.  Das Ganze wird hier ein bisschen unter dem Namen "Slow Food Movement" subsumiert. Ich finde es ein bisschen amerikanisch das Ganze zu labeln, moralisch und ideologisch aufzuladen, aber im Grunde ist es eine gute Sache. Doch nachdem die Erfindung des Fast Foods oder zumindest seine Definition hier seinen Ursprung hat, wird dem nun mit Slow Food wohl sein Pendant entgegengesetzt. Vielleicht finde ich es auch deshalb so uebertrieben, weil Bio in Deutschland schon fast selbstverstaendlich ist. Vielleicht auch zu selbstverstaendlich, denn ich weiss jetzt wieviel Schweiss darin steckt.

Waehrend der Feldarbeit redeten wir staendig uebers Kochen und Essen, tauschten Rezepte aus und freuten uns auf die naechste Mahlzeit. Es ist eine Offenbarung nach einem harten Arbeitstag die frischen Feldfruechte zu zubereiten und vor allem zu verspeisen. Gute Esser, gepaart mit Hunger sind ja bekanntlich die besten Koeche! Und so warteten wir stets sehnsuechtig auf den Ruf der Meeresmuschel, welche als Signal zu den Mahlzeiten geblasen wurde.

SalaternteFour Seasons FeldfruechteFarmersmarket Halifax

Gegen Ende waren wir jedoch eine recht lustige Truppe und vertrieben uns die wenige freie Zeit mit Ausfluegen in die atemberaubende Natur ringsum. Hier in Nova Scotia habe ich mit Abstand die abwechslungsreichsten und schoensten Sonnenuntergaenge, Straende und Kuesten gesehen. Die Bilder sind nur ein lahmer Abklatsch der Realitaet!

Beach near FarmBurncoat ParkThe crew and BentleyCape Split Trail with the crew and BentleyCape Split WildlifeOwlingCape Split Mennonitenland

Farmville

Freitag, 08.07.2011

Nun habe ich also meine Destination erreicht. Vor 4 Tagen setzte mich Gaby hier auf der Four Seasons Farm ab. Bis hierher nach Maitland habe ich mich mit der Koechin aus Holland durchgeschlagen.

Eigentlich sollte meinem urspruenglichen Plan nach mein naechstes Ziel Halifax sein. Nach dem National Park Abenteuer sollten sich also unsere Wege trennen. Aber wir hatten eine so grossartige Zeit und ich keinen Bock auf den Busmarathon. Daher aenderte ich kurzerhand meine Plaene und heuerte bei Gaby als Navigator an. Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Orientierungslegastenie als Kartenleser  nicht viel tauge, aber Gaby liess Gnade vor Recht ergehen. Unser Road Trip fuehrte uns entlang malerischer Kuestenstreifen der Bay of Fundy. Die riesige Bucht wird beherrscht von den Gezeiten und demonstiert jeden Tag ein einzigartiges Naturschauspiel. Nicht ohne Grund ist die Fundy Bay nominiert fuer die 7 Naturwunder, neben dem Grand Canyon und 28 weiteren Finalisten. Kandidat ist sie vor allem wegen ihrer  enormen Gezeitenunterschiede, denn zwischen Ebbe und Flut beobachtet man mancherorts eine Differnz von ganzen 16 Metern. Doch mich beeindruckt noch viel mehr das Erscheinungsbild dieser sagenhaften Landschaft. Denn die Bucht, ihre Klippen und Straende leuchten zinnoberrot.  Der Sand mischt sich mit rotem Lehm und spiegelt sich im Sonnenlicht. Die gewaltigen Gezeiten nagen an dem lehmroten Ufer wie Toepfermeister und erschaffen taeglich neue Szenerien. 2-mal taeglich saugt die Ebbe alles Wasser aus der Bucht. Der Sog ist so stark, dass auch die Zufluesse auf der Trockenen liegen und  die roten Wasseradern freilegt. Kilometerweit kann man dann ueber die zinnoberote Bucht und an den getoepferten Felsvorspruengen vorbeiblicken. Ihr seht die Bay hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und nur 10 Gehminuten von der Farm entfernt, befindet sich auch hier ein kleiner Purpurstrand.

on the roadFundy Bay window viewFoggy guided by lighting housesEbbe Flut

Nun aber zum Farmleben… Na, ja, es ist halt kein Ponyhof. Es sind lange Tage, harte Arbeit und Schmerzen in den Knochen. Ich falle jeden Tag um halb 10 wie ein Stein ins Bett. War schon klar, dass das nicht Farmville ist, das beliebte Computerspiel, bei dem gelangweilte Stadtmenschen per Mouseklick Kuerbisse ernten und dem ich zugegebenermassen eine Zeitlang selbst verfallen bin. Hier waechst das Zeug nicht ueber Nacht. Aber ich gewohne mich langsam an den Rhytmus, so wie mir langsam Hornhaut an den Haenden waechst. Der Koerper und der Kopf brauchen eben eine gewisse Zeit der Umstellung. Trotz oder gerade wegen der harten Arbeit fuehle ich mich so entspannt und stressfrei wie schon lange nicht mehr.

Die Hauptarbeit ist Hacken, Jaeten und Ernten. Dabei brennt einem die Sonne auf den Schaedel und das Stechgetier maltretiert von allem Seiten. Um meinen Kopf kreisen immer wieder brummende Bremsen  und so schlage ich hin und wieder wie eine Verrueckte wild um mich, denn die Mistviecher lassen sich nur schwer verscheuchen.  Ok, Leute… mehr zum Farmleben das naechste Mal, denn mir fallen schon die Augen zu….

Four Seasons Farm

Die Waelder der Mi'kmaqs

Donnerstag, 30.06.2011

Ich melde mich wieder zurueck aus der Wildnis. Bis auf ein paar Kollateralschaeden die auf das Konto der Stechmuecke in jenen Gefilden gehen, war es mal wieder ein unvergessliches Erlebnis. Wir durften unser Zelt auf dem schoensten Flecken des Nationalparks aufschlagen. Abgeschieden vom Rest der Campgemeinde, wurde eine kleine Halbinsel mit See-Rundumblick unser voruebergehendes Zuhause. Wir stellten jedoch schnell fest, dass dieses Plaetzchen auch die Heimat von diversen Ochsenfroeschen, Streifenhoernchen und Waschbaeren ist. Und wer glaubt, dass naechtliches Froschgequacke romantisch und entspannend sei, der hat noch nicht auf dieser Insel gepennt. Ich sag euch, ein einzelner Ochsenfrosch macht einen Hoellenlaerm und haette ich keine Ohrstoepsel gehabt, waere ich mit Sicherheit irgendwann durch die Zeltdecke gegangen.

Our Spoton the road to Keji

Da in diesen Waelder noch weitere "Tierchen" hausen, u.a. Baeren und Elche, ermahnen die Park Ranger ihre Gaeste kein Essen in ihren Zelten zu horten. Naechtens bekamen wir zwar Besuch von Waschbaeren, doch nachdem es bei uns nichts zu holen gab, haben sie sich weitergemacht und wurden schliesslich bei unserem Nachbarn fuendig - einem blutjungen Paerchen, dass sich schon bei der Ankunft ein wenig in die Haare gekriegt hat. Die Waschbaeren liessen sich von den Drohgebaerden des jungen Mannes nur wenig beeindrucken und hatten bis zum Morgengrauen ein kleines Loch in die Zeltwand gebissen.

Nach einem bescheidenen Fruehstueck liessen wir unser Kanu zu Wasser. So wie es die Mi'kmaq Indianer vor hunderten von Jahren taten, erkundeten wir auf dem Wasserweg den Park. Es regte sich kein Lueftchen und die Seeoberflaeche glich einem Spiegel ueber den hier und da Libellen brummten . Wir paddelten an zahlreichen Inseln und Felsen vorbei und unterschaetzten ein wenig die Groesse des Sees. Es ist kein leichtes Unterfangen sich dort zurechtzufinden, denn vom Wasser aus sieht das Ufer ueberall gleich aus. Mit mueden Armen vom vielen Paddeln schafften wir es dann doch noch zurueck auf unsere Zeltinsel. Nach einem erfrischenden Bad in dem glasklaren Wasser, erholten wir uns am Slapfoot Beach und nickerten in warmen Sand.

ExploringThe WhalerockIslandsSlapfoot Beach

So, nun werde ich mich wieder meinen 21 Mueckenstichen widmen, die mir unseren Aufenthalt in den Waeldern der Mi'kmaqs noch die naechsten Tage vergegenwaertigen werden.

Digby, Neuschottland

Montag, 27.06.2011

Hallo meine lieben Freunde, ich komme meinem Ziel also naeher. Vor zwei Tagen habe ich meinen Fuss auf die Halbinsel Nova Scotia gesetzt und bin hier in Digby einem charmanten kleinen Fischerdorf gestrandet. Man merkt es schon bei der Ueberfahrt, das Klima ist rauer und feuchter. Man spuert stets eine salzwassergetraenkte Brise auf der Haut und Nebelschwaden wandern ueber die gruenen Huegel rund um die Bucht. Das Wetter ist unbestaendig und so kann es passieren, dass eine duester-grauschwarze Wolkendecke ploetzlich von Sonnenstrahlen durchbohrt wird und blaue Himmelsflecken freigibt. Hier wird gefischt, was die See hergibt: Kabeljau, Lobster und vor allem Jakobsmuscheln, denn Digby nennt sich nicht ohne Grund "the Capital of Scallops" (engl. fuer Jakobsmuscheln) Im Hafen stehen  rostige Kutter, um die quieckende Moewen kreisen und Leuchttuerme kroenen die Landzungen in der Ferne.

Digby HafenAnnapolis Royal Fisher WarfLighthouse Brier Island

Und so hab ich mir gleich am ersten Abend einen riesen Teller gegrillter Jakobsmuscheln gegoennt. Yummy! Das Hostel und seine Besitzer ist echt toll! Immer wieder bin ich ueberrascht wie unglaublich gastfreundlich die Menschen hier sind. Man fuehlt sich echt nicht als zahlender Gast, sondern wird behandelt wie ein Freund der Familie. Die Besitzerin ist Hollaenderin und hat einen Kanadier geheiratet und so sitzen wir Fruehstueck wie Abendessen zusammen an einem grossen Tisch, essen und lachen.

Also habe ich meine Plaene geaendert und werde laenger in dieser Gegend bleiben. Meine Gluecksstraene hoert nicht auf und lernte ich Gaby kennen, eine hollaendische Koechin, die seit ueber einem Jahr durch Kanada reist auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich niederlassen moechte. Sie geht da ganz nach ihrem Gefuehl und ihre Intuition sagt ihr, dass es irgendwo hier in Nova Scotia sein muss. Kein Wunder, es ist wirklich wahnsinnig schoen hier! Eigentlich wollte ich ja urspruenglich ein paar Tage in einem Nationalpark campen und mit einem Kanu durch die Waelder paddeln, aber ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Also habe ich Gaby ueberredet fuer ein paar Tage in den naechstgelegenen Park zu gehen. So werden wir heute nachmittag mit einem Kanu auf dem Dach und Brennholz im Kofferraum aufbrechen.

Gaby from Holland

Jeden Tag bestaune ich die vielfaeltige Flora und Fauna hier. Gestern habe ich zum ersten Mal Seeloewen in freier Wildbahn bewundert. Mit dem Fernglas auf der Nase sassen wir ueber eine Stunde auf einem Felsen. Rund um die Kueste blueht es wie in einem botanischen Garten. Violette Iriswiesen wohin man sieht. Hier wachsen sogar Orchideen. Auf einem Aussichtspunkt hoch ueber einer Fischerbucht kreisten 15 Geier direkt ueber unseren Koepfen, zum Greifen nah! Eine wahrhaft magische Atmosphaere mit den weissen Nebelschwaden, die auf und abtauchen. Es erinnerte mich stark an die die Szenerien der Romanverfilmung Ronja Raeubertochter. Ich habe momentan eine grosse Aehnlichkeit mit jener Figur, da meine Haare durch die hier herrschende Luftfeuchtigkeit geradezu explodieren.

Brier IslandBrier Island againSeals!Balancing Rock@Iris: this is for u!Ebbe!@Lilli: this is for u! Selbstausloeserfoto!Viewpoint

Am Abend zuvor beklatschten wir ein Country-Konzert im alten Stadttheater. Ryan Kooks, ein blutjunger, aufstrebender Saenger aus der Gegend, der sich in seiner Jugend in diversen Metalbands ausgetobt hat, unterhielt uns mit seiner Truppe wirklich gut.

Ryan Kooks

Well, that's it for now!

Saint John - the city of Capitanos

Freitag, 24.06.2011

Mein Aufenthalt in Saint John haette nicht besser sein koennen! Ich treffe immer wieder auf wunderbare und liebenswuerdige Menschen in diesem Land.

In Saint John gibt es nur ein einziges Hostel: das Newman House, das von Sharon einer Dame im besten Alter gefuehrt wird. Wer hier unterkommt, fuehlt sich eher als Gast einer entfernten Tante als in einer anonymen Unterkunft. Es ist im Prinzip Sharons Zuhause und sie stellt einfach nach Bedarf 2/3 ihres Hauses zur Verfuegung. Ihr Heim ist ein altes Haus mit schiefen Boeden, bestickten Kissen, Bilderrahmen mit Kinderfotos und floralen Tischdecken, aber es ist alles sehr sauber und gepflegt. Klingt vielleicht komisch, aber durch Sharons natuerliche und liebenswerte Art fuehlt man sich hier sehr wohl. Aus der Not heraus kam ihr die Geschaeftsidee vor einem Jahr. Und da Traveller immer jede Menge Essen in den Kuehlschraenken hinterlassen , hat sie einen Kompost angelegt mit dem sie ihren Community Garten duengt. Als ich sie um die Moeglichkeit bat, Fotos fuer meinen Blog hochzuladen, war sie ploetzlich ganz interessiert. Sie moechte einen Blog oder eine Website fuer ihr Hostel und bat mir folgenden Deal an: Sie gibt mir eine Gratisfuehrung mit ihrem Auto durch die Stadt und Umgebung und im Gegenzug stelle ich ihr meine Fotos  zur Verfuegung. Sie ist eine grossartige Stadtfuehrerin macht sie doch gerade ihren offizielen Tourguide-Schein.

Saint John ist eine wahrhaft pittoreske Stadt. Das Stadtbild ist gepraegt von Stassenzuegen verwitterter, bundbemalter Holzhaueser, verziert mit Veranden und Haustueren im "Gingerbreadstil". Die harsche Witterung und salzgetraenkte Luft setzt den hoelzernen Haeusern so zu, dass die sonnenverblasste Farbe von den Schindeln blaettert wie bei einem Croissants. Viele haben nicht die finanziellen Mittel die meist historischen Haueser in Schuss zu halten. Daher werden viele dieser Behausungen sich selbst ueberlassen und bilden wahre Stilleben.
Auf einem meiner Spaziergaenge traf ich  Fred, einen Fotografen aus Nova Scotia. Er hatte ebenfalls diese pittoresken Bauwerke fuer sich entdeckt. Genauer gesagt reist er durch das Land auf der Suche nach verlassenen Haeusern. Er dringt in das Innere, um Motive vergangener Zeiten aufzuspueren. Er erzaehlte mir von einem Schlafzimmer in bunter Tapete durch dessen vergilbte Gardinen das staubige Zwielicht schien und ein Kleid aus den 40er Jahren beleuchtete, von einer alte Puppe auf einem zerbrochnen Schaukelstuhl, von wildem Wein der Besitz von Vorhaengen ergreift... Einfach wunderbar!

Saint John MainstreatThe WitchhouseHousesblue HouseChipping PaintHexenhaeuschenanother Housemore HousesHouseFundy Bay ViewFundy Bay Reverse FallsSharon my personal tourguidethe 3 religions: church, cars and McDonaldsSharon makes me try her favourite: dried seaweedBricktownFred the photographercool Hunter

On the road

Donnerstag, 23.06.2011

Heute morgen habe ich das franzoesisch sprechende Kanada verlassen. Per Bus durchquerte ich einmal den gesamten Staat New Brunswick, so dass es mich nach 8 Stunden Busfahrt hierher nach Saint John verschlagen hat. Ich steh eigentlich nicht auf Busreisen, aber nachdem Zugfahren in Kanada wenig erschwinglich ist (teurer als Fliegen) bleibt mir nur diese Alternative. In den Hostels erzaehlen sich die Backpacker Horrorgeschichten von Greyhoundbusreisen. Vor einiger Zeit wurde einem Studenten bei einer Ueberlandfahrt der Kopf abgeschnitten. Der Legende nach entdeckte man bei Ankunft den kopflosen Mann in den hinteren Reihen. Dahinter sass der Psychopath mit dem Kopf auf dem Schoss und knabberte an einem Ohr. Wieviel davon wahr ist kann ich nicht sagen, doch der Busfahrer heute hat mir zumindest den Tatbestand bestaetigt.  Jedenfalls haben mich diese und noch andere Geschichten dann doch etwas beunruhigt, obwohl ich schon mit den abenteuerlichsten Gefaehrten und zwielichtigsten Gestalten Busreisen in diversen Laendern unternommen habe. So  nahm ich mir vor, mich auf jeden Fall ganz vorne zu platzieren.

Es kommt dann eben meist anders als man denkt. Schon an der Busstation in Riviere du Loup kam ich mit meinem Busfahrer Jeff ins Gespraech. Ein kraeftiger, grossgewachsener Typ mit Baseballkappe und Sonnenbrille, der aus Saint John stammt und als ich sagte, dass ich den Bus bis dorthin nehme, hat er mir auf die Schulter geklopft und mich auf den Platz ganz vorne verwiesen: we will be together the whole day, u can keep me company! Ich hatte also den Panoramasitzplatz in der ersten Bank und habe hier und da Infos ueber die vorbeiziehenden Ortschaften und Besonderheiten erfahren. Es war recht unterhaltsam. Wir fuhren durch das McCain Reich und so zogen kilometerweit Kartoffelfelder an uns vorbei, deren Ernte spaeter einmal als McCain Pommes in Friteusen brutzeln werden. Wir durchquerten stundenlang dichte Waelder gesaeumt von Warnschildern mit Elchen drauf. Die gesamte Zeit hielten wir Ausschau nach Elchen, denn Jeff hatte hin und wieder einen am Strassenrand gesehen, leider ohne Erfolg. Und so erzaehlte mir Jeff, dass er einmal im Jahr auf Elchjagd geht, das Riesentier einfriert und in Einmachglaeser einkocht und so Elchfleisch fuer das gesamte Jahr hat. Das Tier ist wohl so schwer, dass es mit einem Schlepper aus dem Wald gezogen werden muss. Und wenn er dann mit seinem Kumpel in die Waelder zum Zelten zieht, dann haben sie immer ein paar Glaeser Moosemeat dabei.

Jeff the busdriver

Es klingt fast klischeehaft, aber das war mein Tag heute...

a perfect day

Dienstag, 21.06.2011

Mein Aufenthalt in Quebec war kurz aber grossartig. Ich hab hier im Hostel natuerlich sofort Anschluss gefunden. Ich kam gestern gegen 10 Uhr abends an und hab mich gleich zu einem Ausflug in eine Bar ueberreden lassen. Die beiden Jungspunde haben mich etwas mit ihren pseudotoleranten Travellergeschichten gelangweilt, aber ich war froh mich nicht sofort in das wackelige Stockbett mit Plastikmatratze legen zu muessen. So schlief ich zu spaeter Stunde leicht sediiert durch die zwei Bier auf leeren Magen schnell ein. Am naechsten Morgen begleitete mich meine Bettnachbarin aus England zum Fruehstueck. Wir haben uns von Anfang an grossartig verstanden und stellten im Laufe des Tages mehr und mehr Gemeinsamkeiten fest. Es war schon fast unheimlich und wir haben wahnsinnig viel gelacht. Fiona ist auch nicht mehr die Juengste in der Travellerszene - mit 29 gehoert man schon ein bisschen zum alten Eisen... Man trifft in den Hostels jede Menge junge Leute, die die immergleichen Geschichten erzaehlen. Auch fuer Fiona ist diese Reise begleitet von einer privaten und beruflichen Neuorientierung bzw gezeichnet von einer vorausgegangenen Krise. Jedenfalls war es fuer mich ein wahrer Gluecksgriff, weil sie bereits eine Woche in der Stadt weilt und sie mittlerweile wie ihre Westentasche kennt. Und so habe ich Quebec City und ihre Geheimtipps in nur einem Tag ohne viel Stress entdecken koennen. Die Stadt ist wirklich sehenswert und ich habe es hier weit mehr genossen als in downtown Montreal. Quebec City hat was von Muenchen: viel Gruen, jede Menge Strassencafes und einen weit aus ruhigeren Herzschlag. Und wir waren uns beide einig, dass die Megacities mit zunehmenden Alter ihren Reiz verlieren. Da man als Backpacker mit einem kleinen Budget reist, haben wir uns am Marktplatz mit Kostproben von Wein, Kaese und Pate den Bauch vollgeschlagen und eine kostenlose Ausstellung besichtigt. Die Einsparungen haben wir am Abend wieder aufn Kopf gehauen und uns ein wahres Gaumenfest gegoennt. Hummer mit Knoblauchbutter! Und was fuer ein Geraet! It was lovely! (very british!) Am spaeten Abend kamen wir noch in den Genuss einer kostenlosen Vorfuehrung von Circe du Soleil, die gerade ihre Generalprobe fuer den kommenden Nationalfeiertag von Quebec abhielten.Von einem kleinen Huegel aus hatten wir eine wunderbare Sicht auf die Buehne und fuehlten uns wie Koenige mit dem Bauch voller Hummer und den Sternen ueber unseren Koepfen.
Hier nun auch Impressionen:

Old QuebecZeitfensterAntiquesFiona the chap from englandHummerschlemmenCirque du Soleil

Montreal

Freitag, 17.06.2011

Montreal ist eine wahre Megacity. Mit verspiegelter Skyline und schattigen Haeuserschluchten, trendigen Szene- und Ausgehvierteln, schmutzigen Seitengassen und Obdachlosen, mit rhythmischen Menschenstroemen und hupenden Autostaus. Ich musste jedoch feststellen, dass ich die Stadt nicht mehr so spannend finde, wie ich dass vor 16 Jahren tat. Aber mit 16 ist wohl alles intensiver. Jedenfalls freue ich mich schon auf das Landleben und die Naturszenerien. Ich deute das als Zeichen des Alters und so streune ich etwas wehmuetig und sentimental durch die Strassen von Montreal. Aber das liegt sicher auch daran, dass ich mal wieder allein unterwegs bin und mich ein bisschen nach Gesellschaft sehne.

Aber ich habe diesmal auch neue Seiten an der Stadt entdeckt, die mir vor 16 Jahren entweder verborgen waren oder sich erst so entwickelt haben. Es gibt zum Beispiel viel mehr Obdachlose und Strassenkinder. Tribut der weltweiten Wirtschaftskrise?

Die Kanadier bekommen endlich ein gruenes Bewusstsein. Aufgefallen ist mir das schon bei meiner Schwester, die einen weitaus kleineren Muelleimer als frueher hat, Strom und Wasser spart, ein kleineres, bezinsparenderes Auto faehrt und die riesigen Papierservietten in zwei teilt, weil du dir selbst mit der Haelfte das ganze Gesicht abtrocknen kannst. Der Handel vertreibt jedoch weiterhin im XXL-Format, denn schliesslich foerdert das den Konsum. Denn bis ein 2 Litereimer Erdnussbutter leer ist, ist der Inhalt doch schon laengst vergammelt.

Und zu meiner grossen Ueberraschung ist Montreal mittlerweile eine Fahrradstadt. Es gibt ein ausgedehntes Fahrradwegenetz, das sich ueber die gesamte City ausdehnt. Allerdings haben hier weiterhin die Autos Vorfahrt.

Dann habe ich mitten in Downtown eine Garteninitiative entdeckt. In Montreal sieht man hier und da brache, verfallene Ecken. So haben sich ein paar “Gruene” zusammengerafft und eine solch staubige Stelle zu eigen gemacht. Entstanden ist eine guene Oase mitten im Quartier des Spectacles, dem Partyviertel, wo Superhelden von Hauserfronten blicken und regelmaessig Konzerte stattfinden.

Downtown HarborSmileCyclecityGreen InitiativeCartier des Spectacles FrontsideQuartier des Spectacles BacksideLatin Quatier

Soviel dazu… den Rest der Zeit verbringe ich mit Essen, Schlafen und am Pool meiner Schwester. Es koennte mir also schlechter gehen... Cool

Sistas

Am Sonntag geht es dann weiter nach Quebec City…

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